26. Jul. ’06
17:40
von Florian / keine Reaktionen
Der sympathische Afrikaner sitzt beim Mittagessen neben mir. In gebrochenem Englisch, aber wortgewandt, erzählt er von den Menschen in seiner Heimat Kaliiro, Uganda. Er versuche ein wenig Deutsch zu lernen, doch das sei schwer. In Uganda würden viele regionale und voneinander völlig unterschiedliche Sprachen gesprochen. In Schulen und Behörden verständige man sich auf Englisch, wer [...]
Der sympathische Afrikaner sitzt beim Mittagessen neben mir. In gebrochenem Englisch, aber wortgewandt, erzählt er von den Menschen in seiner Heimat Kaliiro, Uganda. Er versuche ein wenig Deutsch zu lernen, doch das sei schwer. In Uganda würden viele regionale und voneinander völlig unterschiedliche Sprachen gesprochen. In Schulen und Behörden verständige man sich auf Englisch, wer das nicht könne sei auf Swahili angewiesen. Ich berichte von meiner Abneigung gegen die Französischstunden in der Mittelstufe. Er lacht. Einen Monat sei er zu Gast in Deutschland, das sei viel zu kurz.

Brigitte Jackel, Pfarrer Mutsinzi und Hund Howdy im Bad Orber Kurpark
Christopher Mutsinzi ist katholischer Pfarrer, seine Gemeinde zählt 20.000 Gläubige, davon seien etwa die Hälfte Katholiken, der Rest Protestanten und Moslems. Alle würden gemeinsam arbeiten und beten, um die Situation der Bevölkerung zu verbessern. Hierin liegt auch die Notwendigkeit von Hilfen aus dem fernen Deutschland. Wasser, Medikamente und Bildung seien Mangelware in seiner Heimat. In unserer Tageszeitung, die schon mehrfach über Mutsinzi und seinen Besuch in den Partnergemeinden Wirtheim und Kassel berichtet hat, steht folgendes Zitat:
„Die Politiker [handeln] nur selbstsüchtig und schauen nicht auf das Leid der Bevölkerung.“ (Quelle: Gelnhäuser Neue Zeitung, Ausgabe vom 26. Juli 2006)
Nach dem Essen besuchen wir, meine Nachbarin Brigitte und ich, gemeinsam mit unserem Gast die Kurstadt Bad Orb. Der aufgeschlossene Geistliche ist beeindruckt von der Saline und der grünen Oase des Kurparks. „Germany is a beautiful country!“, sagt er fröhlich. Es beginnt zu regnen und wir machen noch einen kurzen Abstecher zu Brigittes Elternhaus. Dankbar nimmt Mutsinzi die Gastfreundschaft an, segnet zum Abschied das Haus und seine Bewohner mit einem kurzen Gebet in der Sprache seiner Heimat. Ich bin kein gläubiger Mensch, aber die Szene bewegt mich.
Auf der Heimfahrt erkundigt der Pfarrer sich noch nach meinen Zukunftsplänen. Dann heißt es: Abschied nehmen. „Es war mir eine große Freude, sie kennenzulernen.“, sage ich. Er lacht freundlich und erwidert: „Ganz meinerseits. Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann einmal wieder.“
Was meinst’n du?
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