09. Nov. ’06
00:13
von Florian / 3 Reaktionen
Wirklich sensationell überraschend waren die Meldungen von der Wahlniederlage der Republikaner bei den US-Kongresswahlen für viele sicher nicht. Die Amerikaner sind längst aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und sehen, wie ihre Soldaten im Irak sterben, ohne dass auch nur ein schwaches Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Sie strafen die Republikaner für ihren Präsidenten [...]
Wirklich sensationell überraschend waren die Meldungen von der Wahlniederlage der Republikaner bei den US-Kongresswahlen für viele sicher nicht. Die Amerikaner sind längst aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und sehen, wie ihre Soldaten im Irak sterben, ohne dass auch nur ein schwaches Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Sie strafen die Republikaner für ihren Präsidenten ab, der sich und vor allem „seine“ Truppen mit seiner Politik in eine Sackgasse manövriert hat. Da konnte George W. Bush nicht einmal mehr sein Erzfeind Saddam helfen, der doch in formvollendetem Timing in der entscheidenden Wahlkampfphase zum Strick verurteilt wurde. War wohl nix, George!
Den Alptraum Irak träumen nun auch die Demokraten. Denn nun sitzen auch sie im sinkenden Boot und werden in die Verantwortung genommen. Auch wenn die bisherige Opposition einen Kurswechsel erwirken will und nun in einer deutlich gestärkten Position ist: Viel zu tief steckt der Karren schon im Dreck, als dass man einfach zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen könnte. Die einzige Option (wenn man nicht gerade eine Mauer um den Irak ziehen und hoffen will, dass die Terroristen nicht drüberklettern) ist Schadensbegrenzung. Und wie die geht, weiß so recht noch keiner.
Jedenfalls müssen die Demokraten trotz oder gerade wegen ihres hinzugewonnenen Einflusses nun aufpassen, dass sie am Ende nicht als Mitschuldige dastehen, wenn der Irak-Wahnsinn noch katastrophalere Folgen für die US-Truppen annehmen sollte. Denn Ex-Kriegsminister Rumsfeld wird nicht ewig zum Sündenbock taugen.
Trotzdem sei es der Welt erlaubt, nun einige Minuten aufzuatmen und das eine oder andere Gläschen zu heben auf das Ende der republikanischen Alleinherrschaft unter einem Präsidenten, der eine Frittenbude nicht von einem Anthrax-Silo unterscheiden kann. Immerhin haben ihn seine Berater nun schon soweit von seinen Kindheitstraumata kuriert, dass er nun versprochen hat, mit den Demokraten zusammen zu arbeiten. Bleibt ihm ja auch nicht viel anderes übrig.
Was meinst’n du?
Es gibt bisher 3 Reaktionen auf diesen Beitrag.
1 Track-/Pingback
[...] mit der berühmten Massenvernichtungswaffen-Märchenstunde den Grundstein für den Einmarsch in den Irak gelegt, der sich zum Fiasko für die ...
2 Kommentare
Verdammt guter Kommentar, Florian. Bush wird jetzt wirklich in die Ecke gedrängt und es bleibt abzuwarten, wie lange man noch bekannter Weise in Sachen Irak weiterverfahren kann. Immer mehr Amerikaner, mit Ausnahme vieler Medienmogule, die sich von der Person Bush und seiner Hintermänner weiterhin einiges an Geld versprechen, sehen nun, welch beträchtlichen Schaden dieser Krieg angerichtet hat und wollen diesen nun beendet sehen. Hoffentlich bald…und ohne Mauer.
Nur wie gesagt: Die Demokraten haben jetzt ein ganz großes Stück Macht und damit Verantwortung hinzugewonnen. Sie müssen sich nun auch intern auf eine Linie bringen und eine erfolgversprechende Irakpolitik finden – sonst laufen sie Gefahr, für die Fehler der Republikaner bzw. der Bushregierung hinterher als Mitschuldige dazustehen.
Denn die Bevölkerung beobachtet das Geschehen im Irak mittlerweile nicht mehr durch die gertübte Brille der Terrorangst, wie in den Monaten des Kriegsbeginns. Die Demokraten müssen den Vertrauensvorschuss nun bestätigen.
(PS: Danke für das Lob!)
Hinterlasse einen Kommentar