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Mach was Peinliches, ich schäm’ mich für dich mit!

Es ist eine echte Volkskrankheit, für die es jedoch keine Statistik, gegen die es kein zuverlässiges Heilmittel gibt. Es handelt sich um eine spontane und in der Regel unkontrollierbare Körperreaktion auf äußere Einflüsse, darauf, was in unserer Umgebung passiert. Die Rede ist vom Fremdschämen. Erst kürzlich kam das Gespräch in geselliger Runde durch Zufall auf dieses heikle Thema. Doch was veranlasst uns, uns für andere Menschen zu schämen? Wie kommen wir dazu, peinlich berührt zu sein über ein Missgeschick, dass jemandem im TV passiert?

Ich persönlich schalte zum Beispiel generell weiter, wenn Anrufer in eine Sendung durchgestellt werden. Ob es da nun was zu gewinnen gibt oder fragen an Prominente oder Experten gestellt werden sollen, ist egal. Ich bin in dieser Beziehung einfach sehr empfindlich, denn die Leute haben die schlechte Angewohnheit, sich gnadenlos zu blamieren, wenn sie live auf Sendung sind. Eigentlich könnte es mir ja egal sein, wenn ein kleines Mädchen bei Oliver Geissen anruft, um die DSDS-Finalistin Lisa Bunt zu fragen, ob sie gerne singt. (So passiert am heutigen Nachmittag.) Oder wenn Berta Müller aus Niedergummern den Teledoktor fragen will, was sie gegen ihre dicken Füße machen kann. Trotzdem berühren mich diese Situationen stets dermaßen, dass ich am liebsten im Boden versinken möchte.

Natürlich gibt es dann auch noch das Martyrium, mit jemandem im Restauraunt am selben Tisch zu sitzen, der sich einfach nicht benehmen kann. Er oder sie blamiert sich in dieser Situation und doch bleibt mir das Essen im Hals stecken.

Stefan Petermann hat bei JUSTmag einen interessanten Artikel zum Thema Fremdschämen verfasst. Er glaubt, das Phänomen als schlachtes Gewissen aufgrund der eigenen Untätigkeit entlarvt zu haben:

Fremdschämen ist immer das, was man nicht tut. Es ist die Scham der Scham. Trotz besseren Wissens wenigstens eines der Beteiligten weiterzumachen. Jemanden weiter einer Situation auszuliefern, die ihn überfordert.

Andererseits kann ich als Zuschauer dem strunzdummen Talkshow-Gast ja auch beim besten Willen nicht weiterhelfen. Mich trifft keine Schuld und dennoch schäme ich mich in Grund und Boden. Fremdschämen ist einerseits das Erkennen der eigenen Hilflosigkeit. Die Unfähigkeit, mit dem Anderen zu tauschen und es an seiner Stelle besser zu machen. Gleichzeitig stellt man sich vor, wie es einem selbst in dieser peinlichen Situation erginge. Man wünscht sich, die Situation verlassen zu können, ohne Aufsehen zu erregen. Man möchte sich davonschleichen. Es ist, als versuche man aus einem schlechten Traum zu erwachen, doch man fürchtet sich vor dem Schrei. Der natürliche Feind des Fremdschämers ist das Fettnäpfchen, in das ein Anderer tritt.

Das Gute am Fremdschämen ist, dass es jeden treffen kann und niemand davor geschützt ist. In jedem Augenblick des Lebens kann es einen Jeden erwischen. Wenn euch also demnächst mal wieder was peinliches passiert und ihr euch in einer Situation total gedemütigt fühlt: Schaut euch um! Jemand anderes, jemand, der total unbeteiligt ist, fühlt bestimmt gerade genau dasselbe wie ihr. Und ihr seid nicht allein!

(Bild: PixelQuelle.de)

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Es gibt bisher 2 Reaktionen auf diesen Beitrag.

2 Kommentare

  1. “Fremdschämen” ist mein Lieblingsowrt seit einigen Wochen..wusste bis dem letzt eine Telefonrunde bei Youfm war nicht, dass es für dieses Gefühl einen Begriff gibt. Sie kamen auf dieses Thema durch den Start von “Stromberg” auf Pro7 und das der Moderator sich die hälfte der Serie für Stromberg mitgeschämt hat…zugegeben, mir gehts da vielen Serien und Filmen ähnlich :) Mit den Anrufern im TV muss ich dir Recht geben, dass fängt schon an wenn die Moderatoren zwei mal nachfragen müssen ob denn jmd am Telfon ist und geht weiter damit das der Name falsch ausgesprochen wird etc.. Nun gut, das wars erst mal von mir :)

  2. Fremdschämen bekommt einfach immer mehr Anhänger. Und ich glaube auch fast, dass es sich auch irgendwie wissenschaftlich erklären lassen muss. Ich wäre jedenfalls dafür, einen Fremdschämen-Club zu gründen, peinliche T-Shirts drucken zu lassen, und jedem, der bei unserem Anblick rot wird, eines zu schenken.

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