05. Mrz. ’08
23:04
von Florian / keine Reaktionen
Überraschendes geht vor in Hessen. Nachdem die Wähler sich im Januar dazu entschlossen hatten, die eingerosteten Zahnräder des gewohnten Koalitionsgefüges zum Knarren zu bringen, mussten auch diejenigen aufeinander zu gehen, die sich sonst so gar nicht verstehen – oder es einfach nie versucht hatten.
Überraschung Nummer eins: Andrea Ypsilanti will nun doch um jeden Preis Ministerpräsidentin [...]
Überraschendes geht vor in Hessen. Nachdem die Wähler sich im Januar dazu entschlossen hatten, die eingerosteten Zahnräder des gewohnten Koalitionsgefüges zum Knarren zu bringen, mussten auch diejenigen aufeinander zu gehen, die sich sonst so gar nicht verstehen – oder es einfach nie versucht hatten.
Überraschung Nummer eins: Andrea Ypsilanti will nun doch um jeden Preis Ministerpräsidentin werden. Na, zumindest der Preis eines gebrochenen Versprechens, das sie vor und nach der Wahl medienübergreifend an die tausend Mal abgab, scheint nicht zu hoch zu sein: Die Linken dürfen sie und ihre Minderheitsregierung mit den Grünen dulden. Wer hätte schon damit gerechnet? – Außer Frau Ypsilanti und Herr Beck wohl so ziemlich jeder. Wenn die Macht zum Greifen nah ist, dann treten einst hoch gehaltene Prinzipien schnell mal in den Hintergrund.
Überraschung Nummer zwei: Die CDU schreit auf und wirft Frau Ypsilanti, Herrn Beck, Frau Holle und der gesamten SPD Wortbruch vor. Weil die Schwarzen einfach immer ihre Wahlversprechen halten. Nein, Moment. Weil man das Land Hessen und dessen Bürgerinnen und Bürger vor einem Linksruck schützen will und muss. Halt, so ähnlich. Weil die CDU eine bessere Alternative in Form einer regierungsfähigen Koalitionslösung bieten kann. Ach, das war es auch nicht. Jetzt aber: Weil Sympathiebolzen Koch die Wahl mit seinen schlechten Ideen zu vergitterten Kindergärten in den Sand gesetzt hat und ihn eigentlich keiner mehr als Ministerpräsidenten haben will. Ist schon manchmal kompliziert.
Überraschung Nummer drei: Die Hessen-Frage wird zur Kanzler-Frage. Denn Parteichef Beck hat dermaßen laut „Nein!“ gebrüllt, als es vor der Hessenwahl um eine mögliche Zusammenarbeit mit Der Linken ging. Das „Nein!“ wurde mit der Zeit verhaltener und schließlich über ein „Jein.“ zum „Macht was ihr wollt.“. Konsequent ist was anderes, Herr Beck. Die SPD sucht also schon nach einem neuen Schlachtkreuzer für den Wahlkampf im kommenden Jahr.
Überwältigt von diesen aktuellen Entwicklungen, die man wirklich nicht hätte voraussehen können, ziehe ich mich in mein Bett zurück und wage vorher noch einen letzten Blick aus dem Fenster. … Moment. Was? Es ist dunkel draußen? – Das hätte ich jetzt aber nicht erwartet.
Was meinst’n du?
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