23. Mrz. ’08
11:08
von Florian / 3 Reaktionen
Eigentlich bin ich nicht gerade ein Fan deutscher Filme. Wenn ich es mir recht überlege, war „Die Welle“ seit vielen Monaten die erste deutsche Produktion, die ich mir angetan angeschaut habe. Vorweg: Super Film! Ab ins Kino!
Hier erst ein paar Worte zum Inhalt. Wer sich den Film noch nicht angeschaut hat und dies noch mit [...]
Eigentlich bin ich nicht gerade ein Fan deutscher Filme. Wenn ich es mir recht überlege, war „Die Welle“ seit vielen Monaten die erste deutsche Produktion, die ich mir angetan angeschaut habe. Vorweg: Super Film! Ab ins Kino!
Hier erst ein paar Worte zum Inhalt. Wer sich den Film noch nicht angeschaut hat und dies noch mit der nötigen anfänglichen Unbefangenheit tun möchte, sollte nicht auf „weiterlesen“ klicken.
Jürgen Vogel spielt in „Die Welle“ den links denkenden und überaus beliebten – man muss es so sagen: – Super-Vorzeigelehrer Rainer Wenger, der mir persönlich am Anfang ein bisschen zu Ich-bin-euer-bester-Freund-mäßig war. Gegen seinen Wunsch bekommt er für die Projektwoche den Autokratie-Kurs zugeteilt, in dem er den Schülern den Aufbau politischer Systeme näher bringen soll, die von einem Einzelnen oder einer Gruppe von Menschen uneingeschränkt beherrscht und regiert werden. Weil die Schüler so gar keinen Bock haben, sich schon wieder was vom Dritten Reich anzuhören, beschließt Wenger, ein Experiment zu starten, in dem er selbst als autoritäre Leitfigur auftritt. Er will den Schülern damit vor Augen führen, dass sich eine Diktatur auch heute noch etablieren könnte. So entsteht „Die Welle“.
Einige der Teilnehmer: Der Wenger-Liebling weil Superschüler und Champion der Wasserball-Mannschaft mit zerrüttetem Familienleben. Der Türke, der nach außen cool, nach innen aber eigentlich doch kein übler Kerl ist. Der reiche Fatzke, für den Respekt ein Fremdwort ist und der sich zunächst der Gemeinschaft entziehen kann. Der Außenseiter, der in der Welle endlich eine Chance zur Integration in die Gruppe sieht.
Dann gibt es noch die engagierte Schülerin, die von einer Zukunft abseits des antiautoritären Elternhauses träumt und gleichzeitig mit dem krassen Gegenteil eines voll auf Autorität ausgerichteten Systems nichts anfangen kann.
Die Welle überrollt im Laufe des Films immer mehr Menschen und wird mehr und mehr zu einem System ohne Individualität. Zunächst wird eine Einheitskleidung eingeführt, dann ein Logo, schließlich ein gemeinsames Grußzeichen. Und auch ich als Zuschauer habe irgendwann das Gespür dafür verloren, zu welchem Zeitpunkt das Experiment aus dem Ruder läuft. Anfangs habe ich mich gar auf die Seite der Welle-Mitglieder geschlagen, die von der egozentrischen Zicke genervt waren, die sich gegen die Teilnahme zur Wehr setzte. Dann plötzlich, wie ein Erwachen, stellte ich fest, dass sie eigentlich die ist, die im Recht ist.
Gelungen ist eine Szene, in der die Musterschülerin, die sich zur Außenseiterin entwickelt, nachts Flugblätter in der Schule verteilt und sich verfolgt fühlt. Erschreckend ist der Moment, in dem der Lehrer scheinbar in den Größenwahn abgleitet und die letzte Möglichkeit verloren scheint, die Notbremse zu ziehen. Wenig überraschend aber deshalb nicht weniger tragisch die Entwicklung des Außenseiters zum fanatischen Anhänger der experimentellen Ideologie. Er ist das Opfer einer Demonstration von Massendenken, die ausufert, und gleichzeitig der, der die anderen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück bringt.
„Die Welle“ zeigt, dass alles möglich ist. Oder? Immerhin ist zu berücksichtigen, dass in der vorgestellten Ausgangssituation quasi Laborbedingungen vorherrschen, die den Aufbau einer autoritären Einheitsgesellschaft begünstigen: Die Leitfigur ist bei fast allen Schülern beliebt, steht aber im Kollegium praktisch alleine da. Die Schüler folgen ihm zu Anfang bei seinen ungewöhnlichen Ideen, ohne wirklich zu hinterfragen. Bis auf wenige Ausnahmen scheint keiner der Teilnehmer über ein nennenswertes Selbstwertgefühl zu verfügen, das über den äußeren Schein hinaus geht. Schwer zu glauben, dass sich dreißig bis vierzig Schüler – alle gleichzeitig – nach ein bis zwei Tagen bedingungslos in der Gemeinschaft auflösen, nur weil jemand die Sitzordnung geändert hat.
Trotzdem regt der Film zum Nachdenken darüber an, was Gruppenzwang ist und ob wir uns dem wirklich in jeder Situation entziehen können. Es handelt sich schlussendlich um einen Spielfilm, der etwas zeigt, was man nicht vergessen sollte: Gemeinsam sind wir stark, doch wir dürfen dabei unsere Individualität, unsere eigene Meinung, uns selbst nicht verleugnen oder gar vergessen.
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Es gibt bisher 3 Reaktionen auf diesen Beitrag.
3 Kommentare
den film wollte ich mir auch unbedingt mal ansehen - leider bisher noch keinen freuwilligen gefunden
meine schwester musste das buch in der schule lesen, während sie im geschichtsunterricht das 3.reich durchgenommen haben und war davon sehr angetan, sodass ich es auch irgenwann mal, auf empfehlung von ihr,gelesen habe…darum möchte ich mir den film auch nicht entgehen lassen, denn das buch war schon sehr spannend…
obwohl ja noch ein schulbuch verfilmt wird “der vorleser” das fand ich ehrlich gesagt auch nicht schlecht…ist doch gut für schulklassen - die können jetzt ausflüge ins kino machen
In den „Vorleser“ werde ich wohl auch gehen, obwohl ich kaum noch was von dem Buch weiß. Vielleicht lässt sich da ja ein gemeinsamer Termin finden!? (Januar 2009, vormerken!)
Nur schade, dass Nicole Kidman nun doch nicht mitspielt, sondern Kate Winslet ihre Rolle übernimmt. (via)
alles klar - aber erinner mich vorher bitte noch mal dran :))
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