02. Aug. ’08
23:12
von Florian / 2 Reaktionen
Es hat nichts mit meiner grundsätzlichen Sportaversion zu tun, dass sich mir angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking der Magen umdreht. Denn Olympia 2008 setzt ein Mahnmal, welches uns daran erinnert, dass freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit und Menschenrechte im Angesicht wirtschaftlicher und politischer Interessen in den Hintergrund treten müssen. By the way: Ich war und [...]
Es hat nichts mit meiner grundsätzlichen Sportaversion zu tun, dass sich mir angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking der Magen umdreht. Denn Olympia 2008 setzt ein Mahnmal, welches uns daran erinnert, dass freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit und Menschenrechte im Angesicht wirtschaftlicher und politischer Interessen in den Hintergrund treten müssen. By the way: Ich war und bin für einen totalen Boykott der Olympischen Spiele 2008 in der geschlossenen Propagandamaschinerie.
Dass ein totalitäres politisches System freiheitliche Prinzipien als lästiges Übel zu unterdrücken sucht, verwundert nicht. Dass Nationen, die auf diesen Grundsätzen basieren und diese zu wahren sich auf die Fahnen schreiben, im wahrsten Sinne des Wortes mitspielen, ist ein Skandal.
Uneingeschränkte Berichterstattung und Recherche wird ausländischen Journalisten in China nicht zugestanden. Zu viel Angst haben die Machthaber vor unliebsamer Publicity, wollen sie doch ihr Land als aufstrebende Wirtschaftsnation präsentieren. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) protestierte kaum vernehmbar, doch wenige Tage vor den Spielen wird man sich hüten, kritische Töne anzuschlagen und so tut Präsident Jacques Rogge das, was er in diesen Zeiten offenbar am besten kann: klein beigeben. [via]
Doch nicht genug: Kritische Journalistenfragen will man auch aus den Reihen der Athleten nicht beantwortet haben. Schließlich sind die Damen und Herren Sportler nach Peking gereist, um der staunenden Masse was vorzuturnen und die Sponsorenschriftzüge in die Kameras zu halten und nicht etwa dazu, den Gastgeber in Frage zu stellen. Auf 49 Seiten soll das IOC Interviewverhalten vordiktiert haben. Entsprechendes Material liegt dem ARD-Magazin „Report Mainz“ vor und kann hier herunter geladen werden.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) spielt sogar selbst ein bisschen chinesische Regierung und hat ein Verbot ausgesprochen, nach dem den deutschen Athleten jegliche journalistische Tätigkeit während der Spiele untersagt ist. Heißt: Keine Blogs, keine Forenbeiträge, etc. Bei Verstoß drohen Vertragsstrafen und der Ausschluss vom bunten China-lebe-hoch-Fest. [via]
Welches Fazit ergibt sich aus der Olympischen Farce? Menschenrechte und freiheitliche Grundkonzepte werden von der so genannten „westlichen Welt“ verteidigt. Manchmal tun wir dies, indem wir auf die Straße gehen und demonstrieren, manchmal werden Diktatoren mit Bomben beworfen. Hin und wieder jedoch hören wir jedoch scheinbar einfach auf zu kritisieren, wenn wir merken, dass unsere Argumente ungehört verhallen und feiern ein buntes Fest, ohne die Schattenseiten zu zeigen, weil wir es nicht dürfen.
Und so zeigt uns Olympia 2008, dass man offenbar auch für Pressefreiheit und Menschenrechte einstehen kann, indem man einfach die Fresse hält. Das hat ja in der Vergangenheit auch immer so gut funktioniert. Vielleicht wäre das mit dem Boykott doch keine so schlechte Idee gewesen…
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1 Track-/Pingback
[...] ich gestern gar nicht gedacht, als ich über die Olympia-Farce 2008 im kommunistischen China wetterte. Nun hat die Gesellschaft ...
1 Kommentar
Mich würde mal interessieren, wen die Chinesen geschmiert haben um die Spiele zu bekommen und was es letztendlich kostet sie zu behalten. Was in China passiert ist furchtbar, doch ich bleibe bei meiner Meinung: den Chinesen ist ein Boykott so egal, als wenn bei uns ein Sack Hafer umfällt. Der Boykott in Moskau und dann in L.A. hat ja auch überhaupt nichts gebracht. Sport sollte eine Politik freie Zone sein und beim nächsten Mal sollte das ICO einfach genauer prüfen wem es die Olympischen Spiele da zusagt. Jaque Rogge tut mir ein Bisschen leid, da die Entscheidung, die Spiele nach Peking zu geben, noch vor seiner Ära als IOC-Präsident getroffen wurde. Doch nichts desto trotz hätte das IOC noch genug Zeit gehabt China die Spiele zu entziehen und sie einem anderen Land zuzuteilen.
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