Archiv für den Monat: Mai 2012

Blockupy – vorbei.

Das war jetzt also das groß angekündigte und größtenteils höchstrichterlich verbotene Blockupy-Wochenende. Da ich nicht unmittelbar im Zentrum Frankfurts wohne und dieses wohlweißlich in den letzten Tagen gemieden habe, sind mir die Veranstaltungen praktisch gar nicht aufgefallen.

Haben Demokratie und Rechtsstaat versagt? – Aber nein. Diejenigen, die den Polizeieinsatz als überzogen verurteilen und meinen, die Veranstaltungsverbote hätten Grundrechte verletzt, neigen offenbar zur Selbstüberschätzung, spielen sich auf als Hüter der Verfassung und sind letztlich nicht weiter als naiv, wenn sie glauben, die Versammlungsfreiheit sei völlig schrankenlos und rechtfertig jedwede öffentliche Aktion gegen die vermeintlichen Feinde aller guten Menschen (in diesem Fall waren es Banken und eigentlich alle, die für Kapitalismus stehen).

Doch nicht diese Menschen sind es, die zu entscheiden haben, was noch erlaubt und (zu recht) geschützt ist und was zu weit geht. Und ein Polizeieinsatz, der die im Vorfeld wohl stellenweise angekündigte Gewalt zu verhindern sucht, ist notwendig. Dass sich die Situation im Nachhinein als weniger explosiv herausstellte, ist weniger ein Zeichen für ein überzogenes Vorgehen der Ordnungsbehörden, als für ein erfolgreiches. Und nur weil sich – zum Glück – überwiegend friedliche Aktivisten an den Demonstrationen beteiligten, heißt das nicht, dass es nicht auch hätte völlig anders kommen können. Weiterlesen

Norbert arbeitet hier nicht mehr.

In knapp zwei Minuten kann ein normaler Mensch nicht eben die Welt verändern. Knapp zwei Minuten reichen vielleicht, um sich ein mittelprächtiges Mikrowellengericht zuzubereiten oder sich in aller Eile die Zähne zu putzen.

Nicht so unsere Bundeskanzlerin: Sie schafft es in weniger als zwei Minuten, sich ihren in Ungnade gefallenen Umweltminister Norbert Röttgen vom Hals zu schaffen. Der hatte sich gerade politisch unmöglich gemacht, indem er nicht nur die NRW-Landtagswahl nach allen Regeln der Kunst in den Sand setzte, sondern dies auch noch fast mit voller Absicht. Zumindest konnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man den stümperhaften Wahlkampf beobachtete, mit dem Herr Röttgen Hannelore Kraft den schönsten Sonntagabend ihres Lebens bescherte.

Die Moral von der Geschichte ist denkbar einfach: Das Leben ist kein Ponyhof, den einfachen Erfolg ohne jegliches Risiko gibt es nicht und wer sich nie wirklich auf einen Weg festlegen kann oder will, der verliert erst das Vertrauen der Menschen und dann gegebenenfalls auch noch seinen Job. Und das nicht einmal zu unrecht.

Die gute Nachricht aber ist, dass die Bundesrepublik Deutschland auch diesen uneleganten Abgang überstehen wird und mit Norbert Röttgen nicht eben einen Grundpfeiler der politischen Landschaft seinen Platz räumen musste. Die Energiewende kann die Bundeskanzlerin auch gemeinsam mit einem anderen Umweltminister vor sich herschieben.

Horst Seehofer sagt die Wahrheit

Man kann von ihm halten, was man möchte. Aber wer das heute auf – Achtung! – heute.de veröffentlichte Video schaut, kann Horst Seehofer (CSU) nicht vorwerfen, um den heißen Brei herum zu reden. Das gilt zumindest für die letzten Minuten des Gesprächs zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten und Claus Kleber. Das Interview war eigentlich bereits zu Ende und inhaltlich wenig revolutionär. Dann packt Seehofer kräftig auf seinen Koalitionskollegen Norbert Röttgen aus, der die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mal eben für die CDU gegen die Wand gesetzt hat.

Also, bitte reinschauen und genießen, wie hin und wieder auch eine Politikerfassade auf ungewohnt sympathische Art und Weise bröckeln kann. Hier noch der Link zur ZDF Mediathek: Interview mit CSU-Chef Horst Seehofer.