#7 Kommentare im Internet lesen und ruhig bleiben

Heute verfolge ich das Ziel, mit meinem Beitrag einen echten Mehrwert zu bieten. Einem Lebensratgeber gleich möchte ich in den folgenden Zeilen die Online-Erfahrung jedes einzelnen vernünftig denkenden Menschen verbessern. Die Aufgabe ist einfach: Wie schaffe ich es, Kommentare im Internet zu ertragen?

Die Antwort: Geflissentlich ignorieren.

So, da das nun geklärt ist, kann ich mich noch ein bisschen über die ganzen Kotzbrocken ausmären. Ich glaube nicht an eine Hölle. Aber wenn man eine Weile online unterwegs ist und Kommentare liest und auch nur einen Bruchteil von dem Quatsch glaubt, was da manche von sich geben, weiß man: Wir leben in einer.

Es läuft in diesem Land wirklich alles schief. Wir werden von Verbrechern regiert, darum geht es uns allen so schlecht. Alles wird vertuscht und jeder wird gekauft. Auf unseren Schultern ruhen die Lasten dieser Welt und alle kommen nur in unser Land, um sich auf unsere Kosten zu bereichern. Dabei geht es denen doch sowieso schon viel besser als uns. Uns geht es nämlich schlecht. Keiner weiß es, weil alle Medien gleichgeschaltet sind. Das Kuriose daran ist, dass die Wahrheit über den Zustand unseres Landes so gut versteckt ist, dass nur minderbemittelte und ‑gebildete Legastheniker sie erkennen.

Daher sollten wir dankbar sein für Kommentatoren, die aus jedem Medienbericht die wirklich entscheidenden Aussagen herausfiltern und schonungslos ans Tageslicht zerren. So zum Beispiel das SPON-Interview mit Daniela Schadt, der Lebensgefährtin des scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck. Ich mit meinem verklärten Blick auf die Welt und diese Gesellschaft las nur die Dokumentation eines Gesprächs, das scheinbar interessante Einblicke in das Leben im Schloss Bellevue und hinter die Kulissen des Bundespräsidentenamtes bot. Was bin ich doch für ein tumber Tor. In Wahrheit offenbarte sich hier wieder nur die Zerstörerische Wirkung, die die Lügenmedien auf uns entfalten. Doch uns Leichtgläubigen wäre dies verschlossen geblieben, gäbe es da nicht die alles Durchschauenden:

Daniela Schadt als „First Lady“? Dieser Kommentator erkennt das wahre Unrecht hinter dieser scheinbar unwichtigen Dachzeile zu einem Artikel, in dem es um etwas ganz anderes geht.

Das hätte ich doch tatsächlich überlesen. „Damen dieses Landes“, Frauen dieser Republik: Erhebt euch gegen SPIEGEL ONLINE! Sie haben eine unverheiratete Opportunistin, die ganz zufällig mit Joachim Gauck liiert war, als der zum Bundespräsidenten gewählt – nein: ernannt, gewählt wird der Bundespräsident nämlich nicht, weil nicht jeder mitwählen darf. Auch das lernen wir dieser Tage aus den Kommentarbereichen diverser Medien – wurde, einfach über euch erhoben. Das hat keinerlei Konsequenzen. Aber es ist doch eine Frechheit. Das sind die wirklichen Probleme in unserem Land.

Dieser aufmerksame Leser regt sich, vollkommen zu recht, über die Arroganz auf, mit der Daniela Schadt auf dieses Land und dessen hart arbeitende Menschen herab spuckt.

Auch hier ziseliert der Kommentierende mit feinem Florett und stößt selbiges in die offene Wunde der entscheidenden gesellschaftlichen Defizite. Ich musste im ersten Moment denken, dass man es ja wohl auch als Jammern auf hohem Niveau bezeichnen muss, sich derart über Frau Schadts auf den ersten Blick unverfängliche Antwort einer nur scheinbar unverfänglichen Interviewfrage („Die Amtszeit von Bundespräsident Gauck geht bis zum 18. März. Worauf freuen Sie sich am 19. März am meisten?“) zu äußern. Ich Geblendeter. Ich Unwissender.

Ich bin nicht alleine. Wir Unwissenden sind viele.

Noch sind nicht alle aufgeklärt über die wahren Motive der Lügenmedien. Ich bin offenbar nicht der einzige, der bis heute nicht den Durchblick erlangt hat. Es gibt noch viel zu tun.

Und so endet dieser Beitrag, der mit dem Anliegen begann, einen besseren Umgang mit Online-Kommentaren zu lernen, mit einer ganz anderen Erkenntnis: Wir müssen uns mit dem Unsinn, der überall verbreitet wird, auseinandersetzen. Ob in sozialen oder klassischen Medien. Nicht nur die Beiträge selbst müssen hinterfragt, diskutiert, sachlich reflektiert werden. Jeder Kommentar verdient Beachtung. Und gegebenenfalls Widerspruch. Ignoranz, die aus Bequemlichkeit oder Resignation entsteht, verhilft den Idioten nur unverdient zu einer lastbereiteten Bühne für ihre „alternativen Fakten“, „Wahrheiten“ und Verschwörungstheorien. Aufregen sollte man sich aber nicht zu sehr darüber. Das Leben ist viel zu schön. Auch wenn einige uns etwas anderes einreden wollen.

Übrigens ist das Interview mit Daniela Schadt nach wie vor lesenswert. Mit oder ohne Kommentare.

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