Archiv

Tag: Deutsche Bahn

Logbuch der Bahnfahrt von Berlin nach Frankfurt

Zunächst: Ich schreibe diesen Blogbeitrag, während ich im ICE von Berlin nach Frankfurt am Main sitze. Veröffentlicht wird er mangels HotSpot erst nach Ende der Fahrt.

(20:06) Wir haben nun bereits mehr als eine halbe Stunde Verspätung, da wir zurzeit nicht schneller als 70 Kilometer pro Stunde fahren können. Den Grund habe ich vergessen, das Ergebnis zählt.

Immerhin gibt es jetzt für jeden Reisenden ein Freigetränk im Bordbistro. Entsprechend wenig ist dort gerade los. Daher sieht es momentan so aus, als würde ich auf das Angebot verzichten und das durstige Sitzen dem trinkenden Stehen vorziehen.

(20:34) Im schlimmsten Falle wird sich die Verspätung bis Frankfurt vervielfachen. Gerade sind wir in Wolfsburg – ca. eine Stunde später, als geplant. Wenn wir weiterhin nur 70 km/h fahren können, ist es unrealistisch, dass wir Frankfurt Hbf vor zwei Uhr nachts erreichen. (Noch einmal: Wenn du das liest, bin ich zu Hause angekommen und lache wahrscheinlich mittlerweile selbst über diese Chaosfahrt. Also keine Sorge.)

(20:40) Wir stehen noch immer in Wolfsburg. Die Weiterfahrt wird sich erneut verzögern. Offenbar liegt ein Schaden an unserem Zug vor. Wir dürfen jetzt außerplanmäßig in einen anderen ICE umsteigen. Natürlich wird dieser wohl entsprechend voll sein und mit Sitzplatzreservierungen ist da auch nichts mehr. Also bleiben wir lieber hier sitzen.

(21:26) Glück im Unglück: Wir mussten nun doch in Wolfsburg in den anderen ICE nach Frankfurt Hbf einsteigen. Da dieser durch die unplanmäßigen Zusteiger (uns) total überfüllt ist, dürfen wir nun sogar in der ersten Klasse sitzen. Ich gebe zu bedenken, dass wir für die Fahrt Frankfurt–Berlin und zurück für zwei Personen dank „Mauerfall-Spezial“ nur 88 Euro inklusive Sitzplatzreservierung bezahlt haben. Natürlich beschränkt auf die zweite Klasse. Da wir Frankfurt Hbf nicht mehr unter einer Stunde Verspätung erreichen werden, könnten sogar noch 25 Prozent Schadensersatz drin sein. Ob wir diese Möglichkeit nutzen, hängt in erster Linie davon ab, wie eilig wir es in Frankfurt haben werden, die S-Bahn nach Rödelheim noch zu erreichen.

(21:40) Jetzt sieht es gut aus. Offenbar ist dieser ICE nicht kaputt. Vielleicht erreichen wir Frankfurt Hbf doch noch vor Mitternacht. Wir sitzen übrigens im Ruhebereich. Die Durchsagen des Zugbegleiters erschallen hier aber in einer solchen Lautstärke, dass ich mich frage, warum nicht direkt Partytröten an jeden Passagier verteilt werden. Liefe angesichts der Länge und Häufigkeit der Durchsagen auf das selbe hinaus.

(21:46) In diesem Abteil riecht es gerade so, als bereite jemand Krautsalat zu. Es riecht nach Kohl. (Ich denke gerade ernsthaft über den Kauf eine UMTS-Sticks für mein MacBook nach. Dann könnte ich all das hier twittern bzw. live in mein Blog tippen.)

(22:00) Wenigstens gibt es hier eine (funktionierende!) Steckdose. So kann ich mein MacBook bis zur Ankunft nutzen. Vorausgesetzt, niemand hat diesen Platz reserviert. Zur Erinnerung: Ich sitze mit einem Ticket der zweiten in der ersten Klasse. Im falschen Zug.

Kurz nach Mitternacht kamen wir dann tatsächlich in Frankfurt an. Um viertel vor eins war ich schließlich im Bett. Immerhin musste ich heute Morgen um 6:30 Uhr aufstehen und in die Uni fahren. Die Reise hat sich gelohnt, die Bahnfahrt werde ich nicht so schnell vergessen. Und wie bereits prophezeit, kann ich heute schon drüber lachen, was mich gestern noch aufregte.


We apologize for travelling with Deutsche Bahn

Dank des „Mauerfall-Spezials“ der Deutschen Bahn hatte ich am Wochenende die Gelegenheit zu einer kurzen und relativ spontanen Berlintour. Statt für knapp 450 Euro konnten wir zu zweit für nur 88 Euro von Frankfurt am Main in die Hauptstadt und wieder zurück reisen.

Hier einige Eindrücke:

Hinfahrt (Frankfurt Hbf nach Berlin Hbf)

Auf dem Hinweg wurde nach bis dahin relativ ereignisloser Fahrt gemeldet, der ICE halte nicht in Wolfsburg. Fahrgäste, die dort aussteigen wöllten, müssten doch bitte eine Station früher raus und mit einem entsprechenden Ersatzverkehr weiter reisen. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass bis dahin jede Durchsage der Zugbegleiterin mit einem mehr oder weniger angestrengten „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“ (bzw. eher: „Sänkju for dräwelling wiss Deutsche Bahn“) beendet worden war.

Irgendjemand überlegte es sich dann aber anders. Nachdem alle betroffenen Reisenden (auch vier Personen aus unserem Abteil) den Zug verlassen hatten, hieß es, man halte nun doch in Wolfsburg. Alle wieder rein. Alle folgenden Durchsagen endeten dann mit „We apologize for any inconvenience“ (bzw. eher: „Wie ebolloscheis for ännie inkonwinienz“). Passte auch irgendwie besser.

Rückfahrt (Berlin Hbf nach Frankfurt Hbf)

Am Berliner Hauptbahnhof entschied ich mich ca. 45 Minuten vor Antritt der Rückfahrt, im Internet die Abfahrtszeit unseres ICE noch einmal zu überprüfen. „Halt entfällt!“ stand da bei Berlin Hbf. Panik!
Eine Nachfrage beim DB-Reisezentrum ergab dann aber, dass sich „Halt entfällt!“ lediglich auf den Halt am ursprünglichen Gleis (14) beziehe und nur bedeute, man habe den Zug auf ein andere Gleis (6) verlegt.

An Gleis 6 fuhr gerade ein ICE aus Stuttgart ein. „Bitte nicht einsteigen!“, war dort zu lesen. Dann änderte sich die Anzeige: „ICE nach Karlsruhe Hbf über Frankfurt Hbf“. Unser Zug. Yeah.

Nachfrage beim vorüberrennenden Zugbegleiter. „Ich weiß nicht, ob wir jetzt nach Karlsruhe fahren.“

Nachfrage beim einsteigenden Bordpersonal. „Wahrscheinlich ist das der nach Karlsruhe.“

Allgemeine Unsicherheit.

Diesen Text schreibe ich, während ich im mutmaßlich richtigen ICE sitze, für den am ersten Haltebahnhof nach der Abfahrt bereits die zweite Verspätung durchgesagt wurde.

„We apologize for travelling with Deutsche Bahn.“

Weitere Erlebnisse auf der Rückfahrt von Berlin nach Frankfurt am Main habe ich in diesem Beitrag quasi live niedergeschrieben.